Neue Beiboote für junge Leser: Wie man Buzzfeed & Co. Paroli bieten sollte

Zeit.de, Bunte.de und Bild.de – mehrere deutschsprachige Nachrichtenseiten starten mit neuen News-Angeboten für junge Leser. YAEZ-Geschäftsführer Janos Burghardt macht in einem Gastbeitrag für kress.de vier entscheidende Antriebsfaktoren aus, weswegen die Jugendangebote jetzt gestartet werden.

Wer Buzzfeeed liest, soll auch Bento (Spiegel Verlag), Ze.tt (Zeit Verlag), Bnow (Bunte.de) und BYou (Bild.de) auf dem Schirm haben. So stellen es sich zumindest die großen deutschen News-Portale vor. Die ganz jungen Leser erreichen sie mit Kinderangeboten wie „Dein Spiegel“ und „Zeit Leo“, weil Eltern diese Zeitschriften kaufen und ihren Kindern vorlegen. Die jungen Leser zwischen 15 und 25 Jahren kennen Printmarken aber nur noch vom Hörensagen. Gelesen werden sie nicht, weder print noch online – wie Leserstudien zeigen. Abhilfe sollen nun Angebote schaffen, die auf drängende Herausforderungen eine Antwort haben.

Der Leser

Junge Leser werden durch die klassischen Nachrichtenangebote nicht mehr erreicht. Vorbei die Zeit, in der per Type-In im Browser auf die Startseite von News-Portalen gesurft wurde. Das Leserverhalten hat sich verändert – gelesen wird, was verlinkt ist. Beispielsweise im Facebook-Stream.

Die Story

Auch der journalistische Content selbst hat sich gewandelt. Was vor zehn Jahren in der Journalistenschule noch richtig war, entspricht heute nicht mehr den Lesegewohnheiten junger Zielgruppen. Der Content muss auf den Smartphone-Bildschirm passen, gut strukturiert und visuell ansprechend sein.

Die Werbung

Banner werden immer mehr durch AdBlocker ausgeblendet oder nicht mehr wahrgenommen – die so genannte „Banner Blindness“. Wer seinen Content nicht nur verkauft (Paid Content), setzt somit auch auf Native Advertisement. Das heißt, die redaktionellen Tools werden für Werbekunden zugänglich gemacht und Branded Content in die Streams und auf die Plattformen gebracht.

Der Markt

Vorbei die Zeit, in der Konkurrenz aus Verlagen mit gleichen Geschäftsmodellen bestand, die zudem ein gemeinsames Verständnis von Journalismus verband. Heute spielen mehr Spieler mit. Es gibt neue Publisher wie Heftig.co und Buzzfeed. Und Technologie-Unternehmen wie Apple, Samsung, Facebook, Google und Amazon, die in das Geschäft um die Nachricht einsteigen. Dadurch steigt der Wettbewerbsdruck und die Lesermärkte fragmentieren sich weiter.

Warnung vor der „Ghettoisierung von Jugendinhalten“

Die jungen News-Angebote haben eines gemeinsam – sie vereinen die aktuell erfolgversprechendsten Antworten auf die aufgezeigten Herausforderungen – und setzen dies außerhalb des Hauptmediums um. Das greift aber zu kurz. Die Verlage verfallen in einen Lösungsansatz, der auch im Printbereich schon nicht funktioniert hat: die Ghettoisierung von Jugendinhalten auf abgesteckten Contententinseln für Jugendliche. Das aber macht kein Medium attraktiver für junge Leser. Die in den 1990er und 2000er Jahren eingeführten Jugendseiten in vielen Tageszeitungen sind auf Grund des ausbleibenden Erfolgs zu weiten Teilen wieder abgeschafft worden.

Wer die jungen Leser an Bord haben will, muss mehr bieten als ein passendes Beiboot. Daher greifen auch die jetzt startenden News-Angebote zu kurz – sowohl Publisher, die sich ganz der Zielgruppe widmen, als auch Technologie-Unternehmen, die die neue Publishing-Umwelt besser beherrschen, bleiben so im Vorteil.

Die neuen Jugendableger der Nachrichtenportale im Überblick:

  • Spiegel online: Bento
  • Zeit online: Ze.tt 
  • Bild.de: BYou
  • Bunte.de (soll im Herbst online gehen)

 

YAEZ ist eine spezialisierte Agentur für Kinder- und Jugendkommunikation. Mit den Agentur-Schwerpunkten Jugendmedien, Bildungskommunikation, Live und Digital erreicht YAEZ junge Zielgruppen. Die YAEZ Verlag GmbH ist eine inhabergeführte Agentur mit Sitz in Stuttgart und einem Büro in Berlin.

Ansprechpartner:

Janos Burghardt

Janos Burghardt
Geschäftsführer
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